Patient 8 Games hat mit "Memoreum" einen VR Sci-Fi-Horror-Shooter veröffentlicht, der im Rahmen dieser Analyse auf seine Qualitäten hin untersucht wird. Der Titel, der für die Quest-Plattform (insbesondere Quest 3), Steam und PS VR2 verfügbar ist, tritt mit einem hohen Anspruch an, der in der Ausführung jedoch nicht durchgängig gehalten werden kann.
Die Prämisse:
"Memoreum" entführt Spielende auf ein Kolonieschiff, das einer zerstörten Erde entflieht, nur um auf einem neuen Heimatplaneten von einem außerirdischen Parasiten, bekannt als Ichor, bedroht zu werden. Als ein eilig erwachter Doktor ist es die Aufgabe, die letzten Überlebenden der Menschheit vor Mutanten und einem dogmatischen Militärgeneral zu verteidigen – und möglicherweise das eigene Kind zu retten. Eine solide Ausgangsbasis für einen VR-Horror-Titel.
Umfang und erste Eindrücke:
Für eine erste kommerzielle Veröffentlichung ist der Umfang von "Memoreum" beachtlich: sieben bis zehn Stunden Spielzeit im Survival-Horror-Shooting-Stil, ergänzt durch optionale Sammelobjekte, freischaltbare Waffen und verschiedene Schwierigkeitsgrade. Patches versprechen zudem einen zusätzlichen Schwierigkeitsmodus und New Game Plus. Insbesondere auf der Quest 3 zeigt sich das Spiel dank jüngster Updates visuell von seiner besten Seite. Die Art Direction wird als durchweg gelungen beschrieben und bietet eine Mischung aus Body-Horror und paranormalen Elementen. Auch die Animationen und das Sounddesign tragen zur Atmosphäre bei und erzeugen effektive Gruselmomente.
Herausforderungen in Design und Gameplay:
Trotz dieser Stärken offenbaren sich im Verlauf des Spiels einige Aspekte, die Verbesserungspotenzial haben. Die Waffen fühlen sich zwar im Handling gut an, jedoch führt die Balance dazu, dass man sich auf wenige Favoriten beschränkt. Die Gegnervielfalt ist gegeben, doch die KI-Wegfindung kann manchmal ungelenk wirken. Auch die Sprachausgabe ist überzeugend, doch die Geschichte, die sie trägt, schwankt zwischen durchschnittlichem Sci-Fi-Horror und teils weniger kohärenten Abschnitten.
Besonders der Kampf kann unter der Repetitivität leiden. Die wiederaufladbare Pistole "Hikari" wird als extrem effektiv beschrieben, was dazu führen kann, dass andere Waffen in den Hintergrund treten. Viele Räume lassen sich mit dieser Waffe räumen, was das Gameplay vereinfacht, aber auch eintönig macht. Upgrades für die Chimera-Waffe und Charakter-Perks sind zwar vorhanden, aber viele davon bieten nur marginale Vorteile, mit Ausnahme eines persönlichen Schildgenerators.
Rätsel und Erkundung:
Eine überraschende Stärke sind die Rätsel-Elemente. Werkzeuge wie der industrielle Bolzenentferner, der Schneidbrenner und der Frequenzkorrektor werden als funktional und unterhaltsam beschrieben. Diese Aspekte bieten eine willkommene Abwechslung zum Kampfgeschehen.
Story und technische Aspekte:
Die Geschichte um Dr. Otto Hudsons Suche nach seiner Tochter wird als eher unbefriedigend empfunden, insbesondere aufgrund einer Wendung im späteren Spielverlauf, die als konstruiert wirkt. Kontextinformationen sind oft nur über ein virtuelles Tablet zugänglich, was die Immersion beeinträchtigen kann.
Zum Launch gab es technische Fehler, die jedoch aktiv von Patient 8 Games behoben werden. Ein Kapitel-Auswahl-Menü oder manuelle Speicherstände würden die Erfahrung verbessern. Auch die Wegführung in bestimmten Momenten kann unklar sein und zu unnötiger Verwirrung führen.
Komfort und Zugänglichkeit:
"Memoreum" bietet verschiedene Spielmodi an (stehend, Roomscale, sitzend). Stehend oder Roomscale werden empfohlen, obwohl sitzendes Spielen mit Anpassungen möglich ist. Die Bewegungsmechaniken umfassen Teleportation, sanftes oder ruckartiges Drehen und werden als gut implementiert beschrieben. Waffen können mit beiden dominanten Händen geführt werden. Einige Zugänglichkeitsoptionen wie Randschattierungen fehlen, und plötzliche Herunterwerfen durch Feinde können irritierend wirken.
Fazit:
"Memoreum" ist ein Zeugnis der Leidenschaft seiner Entwickler, Patient 8 Games. Die Bemühungen, ein umfangreiches Sci-Fi-Horror-Erlebnis in VR zu schaffen, sind spürbar. Trotz seiner Unebenheiten, insbesondere in der Kampfbalance und der Story, bietet das Spiel visuelle und akustische Höhepunkte sowie gelungene Rätsel. Es zeigt die Wachstumsschmerzen eines Studios, das ein großes Projekt angeht. Wer über die Mängel hinwegsehen kann und ein umfangreiches VR-Horror-Erlebnis sucht, könnte in "Memoreum" einen lohnenden Titel finden.