Blick hinter die Kulissen: Wie Walkabout Mini Golf seine einzigartigen VR-Welten erschafft
Lucas Martell, der Visionär hinter dem beliebten VR-Spiel Walkabout Mini Golf, hat kürzlich detaillierte Einblicke in den Entwicklungsprozess seines Studios Mighty Coconut gegeben. Es ist eine Geschichte von kreativer Freiheit, innovativen Tools und einer ungewöhnlichen Herangehensweise an Spieldesign, die das Projekt von einem Solo-Unterfangen während der Pandemie zu einem kollaborativen Erfolg machte.
Der 'Walkabout Path' und Gravity Sketch
Ein Kernstück der Mighty Coconut-Philosophie ist der sogenannte 'Walkabout Path'. Bevor ein neuer Minigolfkurs detailliert ausgearbeitet wird, skizziert das Team in Gravity Sketch, einem VR-Tool, einen gelben Pfad, der die gesamte Spielerfahrung von Loch 1 bis 18 abbildet. Dieser Pfad dient als narrativer Faden und hilft, die Abfolge der Umgebungen und die Entfaltung der Geschichte zu bestimmen. Gravity Sketch ermöglicht es den Künstlern, direkt im 3D-Raum zu arbeiten, ganze Modelle zu erstellen oder Asset-Bibliotheken organisch zu platzieren. Das Besondere: Mehrere Teammitglieder können gleichzeitig im selben virtuellen Raum an einem Kurs arbeiten, was eine hochgradig interaktive und effiziente Zusammenarbeit ermöglicht.
Die Philosophie des 'Messy First'
Entgegen der Intuition vieler Game Designer, frühzeitig Details zu polieren, verfolgt Mighty Coconut den Ansatz, so lange wie möglich 'unordentlich' zu bleiben. Martell vergleicht dies mit Storyboards im Film: Es geht darum, Ideen schnell festzuhalten, um zu sehen, was funktioniert und was nicht, bevor zu viel Zeit in Perfektionierung investiert wird. Dies ermöglicht es dem Team, kreativ zu experimentieren und Risiken einzugehen, ohne hohe Kosten befürchten zu müssen.
Evolution des Gameplays und die Ein-Knopf-Philosophie
Walkabout Mini Golf startete mit nur vier Kursen, Teleportation und ohne Musik oder Avatare. Über die Jahre wurde das Spiel jedoch kontinuierlich erweitert: von fliegenden Fähigkeiten und Smooth Locomotion über Musik und 'Fox Hunts' bis hin zu neuen Spielmodi wie dem Mini- und Riesenmodus oder sogar Schachpartien in speziellen Kursen. Die Kernphilosophie des Spiels, die Bedienung über einen einzigen Button zu ermöglichen, blieb dabei erhalten. Dies macht das Spiel extrem zugänglich und leicht erlernbar.
Spielerfinanziert und kreative Unabhängigkeit
Ein weiterer einzigartiger Aspekt ist das 'spielerfinanzierte' Modell des Studios. Nach einer anfänglichen persönlichen Investition von Martell finanzieren sich die Entwicklung und die Künstler vollständig aus den Verkäufen des Spiels und seiner DLCs. Dies schützt das Team vor externem Finanzierungsdruck und ermöglicht es, eine 'spielerzentrierte' Herangehensweise wirklich zu leben. Angebote zum Verkauf des Unternehmens wurden abgelehnt, um die kreative Unabhängigkeit und das etablierte Entwicklungstempo beizubehalten.
Der Einfluss von Disney Imagineering
Die Verpflichtung von Don Carson, einem ehemaligen Senior Art Director bei Disney Imagineering (verantwortlich für Attraktionen wie Splash Mountain und Mickey's Toontown), markierte einen Wendepunkt für das Environmental Storytelling des Spiels. Carson brachte seine Erfahrung in der Gestaltung immersiver Themenpark-Räume ein, was dazu führte, dass die Kurse nicht mehr nur coole Welten, sondern lebendige, 'bewohnte' Orte wurden. Der Fokus liegt nun auf subtilen Details und nicht-linearer Narration, die der Spieler auf eigene Faust entdecken kann.
Der Wert von VR: Immersion und soziale Verbindung
Für Lucas Martell liegt der wahre Wert der VR in der Fähigkeit, in andere Welten einzutauchen und soziale Verbindungen zu schaffen. Er sieht Walkabout Mini Golf oft mehr als einen 'Raum' oder eine 'geführte Tour durch einen Themenpark' denn als reines Spiel. Viele Spieler nutzen es zur Entspannung oder Meditation. Die frühe Integration eines Multiplayer-Modus, noch zu Zeiten der Quest 1, war ein 'mind-blowing'-Moment, der die Kraft der gemeinsamen Erfahrung im VR-Raum unterstrich.
Sandbox-Direktion und Vertrauen ins Team
Mighty Coconut setzt auf ein dezentrales Arbeitsmodell, bei dem fast alle Künstler remote arbeiten. Martells Rolle als Game Director beschreibt er als 'Sandbox-Direktion': Er schafft den Rahmen und stellt die Werkzeuge bereit, vertraut aber darauf, dass das Team innerhalb dieser Grenzen einzigartige und unvergessliche Elemente hinzufügt. Diese Philosophie führt dazu, dass viele der prägendsten Momente in den Kursen von den einzelnen Künstlern stammen, nicht vom Game Director selbst.
Die Entwicklung von Walkabout Mini Golf ist ein Paradebeispiel dafür, wie Kreativität, innovative Werkzeuge und ein starkes Vertrauen in das Team zu einem herausragenden VR-Erlebnis führen können. Was sind eure persönlichen Lieblingsmomente oder Kurse in Walkabout Mini Golf?